Karfreitag – mit Kindern über den Tod reden

Immer wieder werde ich gefragt: „Du glaubst doch was, wie erklärst du deinen Kindern den Tod?“ Das ist gar keine so einfache Frage, auch wenn ich an Gott glaube. Vieles ist auch mir unklar. Doch in einem Punkt war ich mir immer sicher: ich wollte gerne mit den Kindern über den Tod reden, bevor eine uns nahe stehende Person stirbt. Heute habe ich mit meinen Kindern über den Tod geredet. Ich habe es mir schwieriger vorgestellt, als es war.

Heute haben wir also über den Tod geredet. Eigentlich wollte ich dazu mit meinen Kindern auf den Friedhof gehen. Meine Große wünscht es sich immer mal wieder. Auf dem Weg zum Kindergarten fahren wir an einem großen Friedhof vorbei und sie findet ihn faszinierend. Doch heute hat es geregnet wie aus Eimern, da habe ich es gelassen.

Statt dessen haben wir uns hingesetzt und die Ostergeschichte bis zum Grab nachgebaut. Ich finde eigentlich die Idee mit dem Ostergarten oder Osterweg auf dem Tisch so schön (hier ist ein ganz bezauberndes Beispiel), fand es aber mit meinen Kindern gerade nicht so praktikabel und hätte mich wohl auch etwas früher damit auseinandersetzen müssen. (Ehrlich gesagt hätte ich immer Angst, irgendwelche Käfer würden aus dem Moss herauskrabbeln und sich in meinem Haus zu wohl fühlen).

Irgendeine Visualisierung wollte ich aber schon mit den Kindern ausprobieren. Also haben wir die ganze Ostergeschichte bis zum Grab mit Bausteinen nachgestellt. Das ging ganz hervorragend. Wir haben immer ein Stück aus der Kinderbibel gelesen und diesen Teil dann gebaut und nachgespielt.

Als Jesus „am Kreuz hing“, fragte unser Mittlerer: „Ist Gott wirklich gestorben?“.

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Darauf hatte ich gewartet. Wir redeten darüber, was mit dem Körper geschieht, wenn jemand stirbt: Wenn jemand stirbt, sieht er aus, als würde er schlafen, aber er schläft nicht, denn er weckt nicht mehr auf. Wer tot ist, kommt nicht mehr wieder. Bei uns werden Menschen meistens in der Erde bestattet. Mit der Zeit wird unser Körper wieder zur Erde. Andere Menschen machen das anders.

„Aber Gott ist doch nicht tot?“, fragte daraufhin meine Große. „Nein, das feiern wir an Ostern. Wir feiern, dass Gott den Tod besiegt hat. Gott hat Jesus lebendig gemacht. Jesus lebt und wer an Gott glaubt wird auch leben.“

„Ich glaube auch an Gott!“, mit diesen Worten sprang meine Große auf und umarmte mich so stürmisch, dass wir beide umfielen. Ich war etwas überrascht von ihrer Impulsivität. „Dann werde ich dich doch wieder sehen, wenn du mal tot bist! Ich werde dann immer mit dir zusammen sein!“, jubelte sie und küsste mich und konnte vor Glück gar nicht aufhören.

Das Gespräch war überfällig gewesen. Immer wieder hatte sie mir gesagt, dass sie Angst davor hat, dass ich sterbe und sie mich dann nicht mehr sieht. Sie hatte richtig Angst vor dem Tod, woher auch immer das kam. Wie beruhigt und geradezu glücklich sie war, als sie erfuhr, dass sie keine Angst haben muss. Ostern eignet sich also wirklich gut, um mit den Kindern über den Tod und die Auferstehung zu reden. Ich freue mich, dass die Auferstehungsfreude für meine Große so konkret ist, dass sie bis in ihre Ängste hinein reicht.

Was ich hier beschreibe, ist mein Verständnis vom Tod und vom Leben nach dem Tod. Für mich enthält der Tod nach wie vor viel Unverständliches und Beunruhigendes. Aber der Tod stellt kein Grundproblem mehr dar. 

Einen sehr schönen allgemeinen Artikel darüber, wie man mit Kindern über den Tod reden kann, findet ihr bei Jasmin auf ihrem berührenden Blog sterbenueben. Für mein Gespräch mit den Kindern habe ich mir bei ihr Anregungen geholt.

Und was habt ihr so am Karfreitag gemacht? Wir haben heute noch ein wenig Osterdeko gebastelt, aber noch nicht wirklich dekoriert.

Ich möchte diese Ostern gerne alles in der Nacht auf den Ostersonntag dekorieren, damit sich meine Kinder so richtig über Ostern freuen. Falls ihr noch Ideen sucht: Rebekka ist so unglaublich kreativ, sie hat einige Ideen für Ostern zusammengestellt. Sogar ein Freebie ist dabei. Hier geht es zu ihrem Blog.

Habt einen schönen Tag!

Eure Lilli

2 Kommentare zu „Karfreitag – mit Kindern über den Tod reden

  1. Mir ist wieder bewusst geworden, wie unterschiedlich Kinder das Sterben verstehen abhängig von ihrem Alter. Leider war der Tod von Opa der letzte Anlasse, darüberzu sprechen. Es war sehr, sehr gut, dass wir alle Kinder mit zur Beerdigung genommen haben. Der Vierjährige sprach währenddessen viel mit mir, das war zum Glück in Ordnung für alle. „Mama, die Leute weinen. Alle sind traurig.“ Ich nickte. „Mama, du weinst auch. Du bist auch traurig. Wann gehen wir Opa vergraben?“ Da hab ich schon geschluckt. Aber es ist das Verständnis eines Kindes… Und diese Abschiedsfeier war für uns alle so wichtig. Danach hat der Jüngste nicht mehr wie zuvor gesagt: „Wir fahren zu Oma und Opa“, sondern „Wir fahren zu Oma.“ Ihm ist mehr bewusst geworden, als Worte sagen könnten. Vor Ostern hatte ich mit meiner vierten Klasse eine Religionsstunde, in der wir über den Tod sprachen. Die Kinder tauschten sich aus über ihre Vorstellungen und ihre Hoffnungen und ich war eigentlich mehr Zuhörerin und das war sehr bereichernd für uns alle.
    Ich wollte dir mal sagen, dass ich deinen Blog – auch wenn ich nicht schaffe, immer alles zu lesen – sehr mag!
    Liebe Grüße, Martha

    Liken

    1. Vielen Dank, liebe Martha, das freut mich sehr! Und ja, Kinder verstehen nach Alter sehr unterschiedlich und interessieren sich auch sehr unterschiedlich für den Tod. Das fällt mir auch hier immer wieder auf, auch wenn meine beiden Großen sehr nahe beieinander sind. Schön, dass ihr es geschafft habt, die Fragen eurer Kinder bei der Beerdigung zuzulassen. Das stelle ich mir sehr schwer vor. Ich wünsche dir viel Segen, Kraft und Kreativität für deine Arbeit in der Schule, was für eine wundervolle Berufung! Liebe Grüße, Lilli

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