Gott im Alltag

Nicht jeden Tag gibt es bei uns große Gespräche über Gott zum Frühstück. Sehr viel ist bei uns ganz einfacher Alltag, mit allem, was in einer Familie mit drei kleinen Kindern dazu gehört. Gerade sorgen wir uns um unsere Jüngste (1 Jahr), die so gar nicht essen mag. Der Abschied vom Gestillt-Werden fällt ihr sehr schwer. Der Mittlere (3 Jahre) weiß zwischen Hormonschüben oft gar nicht, wo ihm der Kopf steht. An manchen Tagen scheint er sekündlich zwischen Mut- und Wutanfällen zu schwanken. Unsere Große (5 Jahre) ist Vorschulkind und muss, so ist es hier in Ohio üblich, Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Aus Spaß wird Ernst. Das merkte ich an meinem ersten „Elternsprechtag“, als mir nach 1 ½ Monaten Vorschule erklärt wurde, meine Tochter könne immer noch nicht sämtliche kleine und große Buchstaben erkennen und benennen. Dabei dachte ich, das wäre das Jahresziel. Ich wollte mich wirklich von diesem Bildungs-Thema nicht stressen lassen, aber sie machen es einem nicht einfach. Und in allem versuche ich, den Kindern in der wieder mal neuen Umgebung ein Halt zu sein. Das ist oft gar nicht so einfach.

IMG_3163Manchmal ist es mir ganz präsent, wie uns früher erklärt wurde, wir sollten große Träume haben. „Think big! – von einem großen Gott darfst du viel erwarten“, hieß es oft. Ja schon, aber Leben ist halt häufig gerade das, was im Alltag passiert und im Kleinen. Und nicht meine Heldentaten, sondern unser Alltag wird das sein, was die Grundlage für die Erinnerungen meiner Kinder bildet: wie wir miteinander essen, wie wir das Abendbrot miteinander vorbereiten, wie wir uns anlachen mitten im Spiel, wie wir einkaufen, wie wir uns die Schuhe anziehen. Auch da ist Gott. Oder sollte ich sagen gerade da?

Aber auch das ist mein Alltag: dass ich meine Menschlichkeit akzeptiere und meine Fehler eingestehe, auch vor meinen Kindern. Auch das ist für mich gelebter Glaube. Denn der Glaube an Gott gestattet mir, meine Menschlichkeit und Unvollkommenheit anzunehmen. Da ist einer, der ist größer als ich und der kann immer noch, wenn ich nicht mehr kann. Wenn meine Geduld, meine Konsequenz, meine Gerechtigkeit und, auch das muss ich mir eingestehen, meine Liebe am Ende sind, dann ist da einer, der immer noch genug hat. Und es hilft mir, mich daran zu erinnern in meinem Alltag und gerade dann, wenn ich am Ende bin, ihn um Unterstützung zu bitten. Manchmal auch einfach nur, indem ich ein gedankliches „Gott?!“ quasi nach oben schicke. Aber auch das klappt nicht immer. Aber wenn, dann ist das meistens der kleine Moment, der in schwierigen Situationen den Unterschied macht zwischen Eskalation oder einem gemeinsamen Ausweg. Das Verrückte aber ist: in beidem ist Gott. Er bietet uns immer einen Ausweg an. Er freut sich, wenn wir es gemeinsam gut schaffen. Mit der Möglichkeit der Vergebung hat er aber auch aus jeder anderen verfahrenen Situation einen Ausweg geschaffen. Und immer gibt es diesen Weg zurück zu ihm und das Wissen: Ich bin in meinen Alltagssituationen nicht allein, ob sie nun beglückend sind oder eher bedrücken. Gott ist da.

Habt einen schönen Tag!

Eure Lilli

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Wer ist Gott für mich?

Wenn ich nun überlege, wer Gott denn für mich ist, dann merke ich, dass das eine ziemlich lange theologische Ausarbeitung werden könnte. Oder ich beschränke mich einfach auf das, was direkt im Alltag derzeit für mich relevant ist. Ich entscheide mich für Letzteres. Die Ausarbeitung muss warten.

Gott ist…

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… für mich der Gott für das Große und das Kleine.

Er hat das große Bild, den Rahmen, im Blick. Da gibt es jemanden, der alles sieht und weiß. Ich treffe meine Entscheidungen lediglich auf der Basis, die mir vorliegt. Ich kann nicht überblicken, ob ich eine Entscheidung auch in 10 Jahren noch genauso treffen würde. Aber ich kann jetzt meine Entscheidungen treffen und glaube dass da jemand ist, der meinem Herzen und meinen Gedanken eine Richtung gibt, die Sinn ergibt, auch in 10 Jahren. Und wenn ich darüber nachdenke, was für eine Welt das ist, in der wir gerade leben und welche Entwicklungen sich in den unterschiedlichen als „sicher“ geltenden Ländern derzeit abzeichnet, dann bin ich froh, dass ich meine Kinder einem in die Hände legen kann, der alles in seinen Händen hält.

Er ist aber auch derjenige für mich, der an meinem persönlichen Alltag interessiert ist, auch und gerade an den alltäglichen Kleinigkeiten. Ich brauche da auch jemanden, der in meinem Kleinkram-Chaos die Übersicht behält. Es gibt einige Erlebnisse, die mich in diesem Glauben bestärken. Ein Schlüsselerlebnis reicht in meine Schulzeit zurück. Matheunterricht! Nicht gerade mein Lieblingsfach. Da saß ich mal wieder, mir den Kopf zerbrechend vor einer Klausur. Ich hatte wirklich zugehört und versucht, alles genau so zu machen, wie es mir erklärt worden ist. Die Aufgaben gingen aber einfach nicht auf! Mein Bruder, unser Mathe-Ass, hatte schon verzweifelt aufgegeben, mit mir zu arbeiten. Da saß ich also am Ende meiner und seiner Weisheit. Alles, was ich wusste, war, dass ich Mathe im Abi nehmen wollte und irgendwie durch diese Wand musste. Ich versuchte es mit einem Gebet. „Gott,“ so ging es mir durch den Kopf, „du kennst dich sicher aus mit Mathe, und du weißt, wie mein Gehirn funktioniert und du kannst beides zusammen bringen. Ich muss da irgendwie durch.“ Daran erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Ich nahm mich zusammen und rechnet die Aufgabe erneut durch und: es ging auf! Ich weiß nicht, was ich anders gemacht hatte, aber auf einmal ging es auf! Ich war verwundert und konnte es mir nicht erklären, aber ich habe nie wieder Probleme mit diesem Aufgabentyp gehabt. Und definitiv habe ich nicht mehr verstanden als vorher. Dieses Erlebnis blieb mir präsent. In der Uni versuchte ich, damit zu „spielen“. Ich musste immer wieder Hausarbeiten, also Ausarbeitungen zwischen 10 und 25 Seiten schreiben. Ich betete vorher gezielt NICHT um gute Ideen. Und ich hatte keine. Und ich zog es hinaus bis kurz vor dem Abgabetermin, aber mir fiel nicht einmal ein, wonach ich recherchieren könnte. Bis ich betete. Kurz darauf purzelten die Ideen durch meinen Kopf und ich landete einen Volltreffer. Und jedes Mal wusste ich: das war nicht ausschließlich von mir. Das ist ein Geschenk, von jemandem, der mich liebt und für mich sorgt. Und dies war offensichtlich der Weg, auf dem ich das verstand. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, dass Gott jedes Gebet erhört und quasi wie ein Automat funktioniert. Es gibt auch Gebete, die Gott bei mir nicht erhört. Das Gebet um Schlaf beispielsweise. Meine Kinder schlafen abartig schlecht. Seit 5 ½ Jahren habe ich kaum eine Nacht durchgeschlafen. Ich weiß nicht, warum die einen Gebete erhört werden und die anderen nicht. Aber ich weiß, dass es da Gebete gibt, die gehört werden und dass Bitten erfüllt werden. Wahrscheinlich ist es so, dass derjenige, der das größere Bild von meinem Leben sieht, auch weiß, welche Gebete er erhört und welche nicht. Der Kleinkram hängt wohl mit dem großen Bild zusammen. Soweit mein Glaube, ein stückweit zumindest.

Letztens beim Frühstück fragte unser Sohn: „Wer ist Gott?“, und unsere Große antwortete: „Gott ist größer als die ganze Welt! Größer als alles, was du dir vorstellen kannst!“. Er staunte nicht schlecht und lachte: „Boah, dann passt er ja gar nicht in unser Haus, dann ist er ja so groß und so weit weg, dass er uns gar nicht mal sieht.“ Ich sagte: „Gott ist gleichzeitig klein und kann bei uns sein.“ Ungläubig schaute mein Dreijähriger mich an und wechselte das Thema. Am Abend suchte er ein Kuscheltier, einen Pinguin, der Sterne an die Decke projiziert. Er hatte ihn lange nicht mehr gebraucht. Wir suchten dieses Kuscheltier, aber es war nirgends zu finden. Irgendwann saß unser Sohn weinend im Bett. Tagelang lag der Pinguin irgendwo verwühlt in einer Ecke oder wo auch immer und nun gab es Gebrüll, weil er auf einmal nicht mehr ohne ihn schlafen konnte. Irgendwann gaben wir auf. Mein Kleiner musste ohne den plötzlich heiß geliebten Pinguin schlafen. Immer noch schluchzend lag er in seinem Bett. Ich setzte mich dazu und versuchte ihn zu trösten. Sollte ich mit ihm beten, dass wir den Pinguin finden? Was ist, wenn wir ihn nicht finden? Ich weiß ja, dass nicht jedes Gebet erhört wird. Aber mir fiel, wieder mal, nichts weiter ein. Also sagte ich zu meinem Kleinen: „Weißt du, wir können ja Gott bitten, dass er uns eine gute Idee gibt, wo dein Kuscheltier ist.“ „Ja,“ kam es mit erstickter Stimme zurück, „aber ich kann nicht beten, ich bin zu traurig“. Also betete ich mit ihm um eine gute Idee, wo wir noch suchen konnten. Immer noch schluchzend kuschelte er sich in seine Decke. Ich wollte noch unserer Großen Gute Nacht sagen, ging zu ihr, zog ihre Decke zurecht und … da lag das Kuscheltier! Verrückt oder? Meine Große ist schon echt ein kleiner Blindfisch. Wir haben den ganzen Keller und alle Spielzeugkisten durchsucht und da liegt sie fast auf diesem Ding! Ich brachte es zu unserem Sohn, er war glücklich, sagte: „Danke, Gott! Du hast gewusst, wo es ist!“ und schlief ein.

Und jetzt seid ihr dran: Wer ist Gott für euch? So ganz persönlich, im Alltag?

Habt einen schönen Tag!

Eure Lilli

Der Gott im Teppich

„He, geh da weg, du sitzt auf meinem Gott!“, herrschte unsere Große (5 1/2 Jahre) ihren Bruder (3 1/2 Jahre) an. Er sprang davon, nur um kurz darauf zurück zu kommen. Er fing an, sie zu umkreisen und hielt ihr den Luftballon hin, mit dem er spielen wollte.

Sie saß auf dem Wohnzimmerboden neben einem Bild, das sie gerade in den Teppich gekratzt hat. Hoch konzentriert war sie eine Weile beschäftigt gewesen. Dann setzte sie sich daneben und starrte immer noch konzentriert ins Leere, als hinge sie irgendwelchen Gedanken nach, die sie nicht losließen. In diesem Moment kam ihr Bruder angesprungen und versuchte ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

„Siehst du denn nicht, dass du auf meinen Gott trampelst?! Geh runter von meinem Gott! Du machst meinen Gott kaputt!“ schrie sie mit Zornesfalten auf der Stirn.

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Ich beobachtete alles von der Küche aus und musste grinsen. Das ist unsere Große, wie sie ein Bild im Kopf hat, es umsetzt, wie sie ihr Werk vor ihrem Bruder verteidigt, wie sie hoch konzentriert bei der Sache sein kann und wie vehement sie etwas verteidigt – was auch immer. Und das ist unser Sohn, unser Mittlerer, der immer auf der Suche nach Gesellschaft und Gemeinschaft ist, der so gar nichts mit sich selbst anfangen kann und lieber den Zorn seiner großen Schwester auf sich zieht, als sich irgendeine einsame Beschäftigung zu suchen.

Eine weitere Eskalation wollte ich vermeiden. Außerdem war ich zu neugierig, wie der Gott meiner Großen aussah und ging dazwischen. Gerne hätte ich sie weiter dazu befragt, aber sie war bereits zufrieden, als ich ein Foto von ihrem Gott machte und bevor ich fertig war, spielten die Geschwister schon wieder friedlich miteinander.

„Wie wir Erwachsenen!“, war mein erster Gedanke. „Wir machen uns eine Vorstellung von Gott und verteidigen diese dann vehement. Wenn jemand unser Gottesbild anzweifelt oder leise in Frage stellt, wehren wir uns, zumindest innerlich.“ Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsicherer bin ich da. Ist das wirklich so? Wer hat denn heute schon so genaue Vorstellungen über Gott, dass er sie verteidigt? Wenn, dann vielleicht eher in dem Sinne, dass jemand genau zu wissen meint, wie Gott NICHT ist. Das Negativ-Bild quasi oder die Verneinung Gottes, die wird vehement verteidigt. Wobei beides ja eigentlich ein relativ konkretes Gottesbild einschließt.

Aber wer kann denn schon genau sagen, wie Gott ist? Positiv formuliert?

Und wenn man denn einige Punkte hat, von denen man überzeugt ist, wer verteidigt sie denn schon? Wenn Wahrheit relativ ist und es nur meine oder deine oder irgendeine Wahrheit gibt, was soll man denn dann streiten über unterschiedliche Vorstellungen? Dabei meine ich mit Streiten ein positives Streiten im Sinne einer offenen und ehrlichen Auseinandersetzung, bei der man Positionen vertritt, aneinander misst, gegeneinander hält und bei dem man mit einem Erkenntnisgewinn oder gar einem Konsens wieder geht. Gibt es das noch? In der Uni, in einem anderen Leben, vor dieser Zeit, hatte ich mal ein Gespräch mit einem Kommilitonen. Irgendwie ging es auch um Gott. Ich sagte: „Ich glaube an Gott“. Er sagte: „Cool! Ich glaube an Lenin. Verrückt irgendwie, oder?“ Ja, irgendwie verrückt das alles.

Ich freu mich über meine kleine streitbare Große. Sie verteidigt ihr Bild von Gott. Für sie gibt es noch so viel, für das es sich zu kämpfen lohnt (auch wenn wir am Modus noch etwas arbeiten werden…aber sie ist ja auch erst 5…) Es freut mich wirklich zu sehen, wie sie für das von ihr als richtig Anerkannte eintritt. Das ist oft ziemlich anstrengend – für mich, aber auch für sie. Ich hoffe und bete, dass sie Wege findet, ihre Kämpfernatur auf gute Weise einzusetzen.

Wie ist Gott für euch? Habt ihr euer Gottesbild schon mal irgendwo verteidigt? (Ich freue mich wirklich über Kommentare oder Mails :-))

Habt einen schönen Tag!

Eure Lilli

Der Gott mit dem roten Kopf

Unser Sohn (jetzt 3 1/2 Jahre) hatte viele Alpträume, als er noch nicht zusammenhängend sprechen konnte. Wenn ich den schluchzenden Jungen nachts im Arm hielt und fragte, warum er denn so weinte, stammelte er immer wieder „Liebergott!“. Ich war ratlos. Auf meine Frage hin, ob wir Gott bitten sollten, ihn ruhig schlafen zu lassen (das hatte bei unserer Großen immer super funktioniert), schüttelte er heftig den Kopf und schluchzte noch lauter. Ich hielt ihn lange im Arm. Schließlich beruhigte er sich und schlief ein. In den folgenden Tagen fing er an, sich gegen das Abendgebet zu wehren. Er schlief ruhiger ohne Gebet. Und vor allem wollte er nicht zu „Liebergott!“ beten. Irgendwie war die Anrede, die wir meistens beim Abendgebet wählten, nämlich „Lieber Gott“, zu einem feststehenden Begriff verschmolzen. Und dieser Begriff war ziemlich angstbesetzt. Eigentlich ist seine große Schwester unsere Traumkönigin und Schlechtschläferin. Was auch immer irgendwie Angst machen kann, darauf reagiert gewöhnlich sie. Und sie ängstigte sich nicht vor dem Gott, zu dem wir beten. Jetzt hatte unser Sohn die Träume. Wie gesagt, war ich ratlos.

Was konnte er über Gott wissen, was ihn so ängstigt, fragte ich mich. Mit fiel nichts ein. Mir fiel aber auf, dass ich ihm gar nicht gezielt Geschichten über Gott vorgelesen oder erzählt habe. Er hat alles so mitbekommen, wie eben seine große Schwester. Bei ihr gab es einen Zeitpunkt an dem ich merkte, dass sie versteht, was ich erzähle. Da habe ich begonnen zu erklären, wer der Gott ist, zu dem wir beten. Sie wusste, dass wir zu dem beten, der die Welt und sie geschaffen hat, der sie liebt und auf sie aufpasst. All das fehlte meinem Sohn. Er hat sich aus den Bilderbüchern und allem, was wir so taten und redeten, ein Gottesbild abgeleitet, dass offensichtlich sehr erschreckend war.

Ich begann, ihm zu erklären, wer Gott ist, aber viel war in den jeweiligen Situationen nicht zu retten. Er blieb bei seiner Vorstellung, seinen Träumen und der Abneigung gegen das Abendgebet. Als er Monate später zusammenhängend sprechen konnte, fragte ich ihn, was er denn da träumt, wenn er von Gott träumt. Heraus kam Folgendes: „Gott hat einen großen runden roten Kopf. Er ist sehr groß, und rot und er fährt auf einem schwarzen Fahrrad. Und er fährt mit seinem schwarzen Fahrrad nachts spazieren. Er fährt an meinem Fenster vorbei (1. Stock) und bleibt dort stehen und schaut mit seinem großen roten runden Kopf durch das Fenster. Und dann steht er da mit seinem schwarzen Fahrrad und schaut.“ Mir tat mein Kleiner so Leid! Wie schrecklich ist es, zu einem Gott beten zu müssen, der nachts kommt und einen ängstigt. Auch wenn die ganze Geschichte einen irgendwie zum Schmunzeln bringen kann, hatte ich das bibbernde Kind im Arm. Echt verrückt. 

In dieser Zeit wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, den Kindern, auch wenn sie noch ganz klein sind, zu erklären, wer Gott ist. Schon allein, damit sie wissen, wer das ist, mit dem wir reden, wenn wir beten. Wir hatten einiges nachzuholen. Das alles brauchte aber Zeit.

Unsere temporäre Lösung sah so aus: Ich erzählte ihm von Jesus. Unserem Sohn ist Freundschaft sehr wichtig. Er ist unglaublich loyal und teilt sehr gerne. Wenn er weiß, dass ich gerne Schokolade esse, gibt er mir gerne das größte Stück, bevor er dann sein kleines Stückchen knabbert. Und mehr als über die Schokolade freut er sich darüber, dass er mit mir teilen kann und umarmt mich und erklärt mir strahlend, dass wir jetzt beste Freunde sind, weil wir teilen. Ich erzählte ihm also von Jesus, der unser Freund sein möchte. Ich erzählte ihm, dass Jesus sehr gerne viele Freunde hat und dass er auch gerne teilt. Die Geschichten von Jesus faszinieren ihn. Dass Jesus aus wenig Essen viel machen kann und alles verteilt, das ist großartig! Da strahlen die großen Kinderaugen! Zu Jesus können wir beten! Dass jemand, der sein Freund sein möchte, auch nachts auf ihn aufpassen kann, das leuchtet ihm ein!

Mittlerweile hat sich seine Aufregung um „Liebergott!“ gelegt. Aber mir fällt beim Schreiben auf, dass ich gar nicht weiß, was er jetzt über Gott denkt. In unserem Umzug, ankommen und neu sortieren ist das ganze Thema ziemlich unter den Tisch gefallen. Ich denke, ich werde ihn bei nächster Gelegenheit fragen, was er denkt, wie Gott ist. Ich bin gespannt, was er darauf antworten wird.

Wisst ihr, was eure Kinder über Gott denken? Unsere Große hat letztens Gott in unseren Wohnzimmerteppich gekratzt. Aber das erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Habt einen schönen Tag!

Eure Lilli

Kinderkirche auf amerikanisch

Ich bin ein totaler Fan von Kinderkirche vor Ort! Es müsste Kinderkirchen in allen Stadtteilen geben! Überall sollten Kinderkirchen von den Kindern und ihren Eltern fußläufig zu erreichen sein! Es stimmt nicht, dass es keinen interessiert! Kinder mögen Kinderkirche, und ihre Eltern meistens auch. Und es gibt ganz einfache Möglichkeiten, Kinderkirche zu gestalten. Es muss nicht immer das Mega-Event sein! Wer zur Kinderkirche geht, möchte Kinderkirche erleben. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Eine ganz einfache Möglichkeit, Kinderkirche zu gestalten, möchte ich euch heute vorstellen.

Zur Zeit leben wir in Ohio und dürfen hier ganz andere und für uns neue Selbstverständlichkeiten kennen lernen. So auch in Bezug auf die Durchführung der Kinderkirche. Und so viel vorweg: Unsere Kinder lieben es!

Die Kinderkirche findet Sonntag morgens während des Gottesdienstes statt. In ihrem Gruppenraum werden die Kinder von ihren Betreuern begrüßt. Verschiedene Spielmöglichkeiten sind vorbereitet und die Kinder beginnen direkt mit freiem Spiel. Nach einiger Zeit werden die Spiele weggeräumt und die Betreuer erklären in wenigen Worten, um was es in dieser Stunde geht. Manchmal wird an die vergangene Stunde angeknüpft. Dann setzen sich alle Kinder auf einen Teppich vor einen Fernseher und schauen sich ein Video mit der entsprechenden Geschichte aus der Bibel an, inklusive Erklärung, Anwendung und allem, was man sonst zur Geschichte sagen könnte. In dieser Zeit bereiten die Betreuer etwas zum Basteln vor. Nach dem Video basteln die Kinder etwas, anschließend können sie wieder spielen und wenn der Gottesdienst beendet ist, werden die Kinder abgeholt. Klingt einfach, oder? Ehrlich gesagt, war ich anfangs verblüfft. Ich dachte zunächst, das wäre das Ferienprogramm. Aber ist es nicht. Das ist schon alles. Ziemlich wenig Aufwand, oder? Aber die Kinder lieben es. Die Betreuer geben sich sehr viel Mühe, dass die Kinder gesehen werden und sich angenommen fühlen. Das spüren die Kinder. Da macht es nichts aus, ob jemand ein großes Programm auf die Beine stellt, oder eine Geschichte aus der Bibel in einem Video erzählt und erklärt wird. Ich bin immer noch überrascht, wie gut das funktioniert. Meine Große (5 Jahre) freut sich immer wie Bolle auf den Kindergottesdienst. Wahrscheinlich ist der Clou, was dann in dem Video präsentiert wird. Aber wie wäre es, wenn man statt dessen einfach eine Geschichte aus der Kinderbibel vorliest? Oder eine andere Geschichte, in der Glaube und Gott thematisiert werden?

Ihr habt immer gemeint, man braucht ein großes Team, ein großes Programm oder eine große Organisation, um Kinderkirche zu starten? Nein, braucht man nicht. Es reicht eine Person, die ein Herz für die Kinder im eigenen Ort hat. Ich möchte euch Mut machen, Kinderkirche zu starten. Es ist wirklich einfacher, als man meint. Es ist überwältigend, wenn man einfach mal anfängt. Als Probeballon quasi. Einfach mal probieren.

Habt ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt?

Aus der Vergebung leben

Letztens fuhr ich mit meinen drei Kindern im Auto. Wir hatten einige Besorgungen zu machen. Auf dem Rückweg hatten wir eine erhebliche Lautstärke im Auto, die sich immer mehr steigerte. Meine Kleine quengelte zunehmend. Es war ihr alles zu viel. Mein 3jähriger befand sich mitten in einer Ich-will-aber-UAHHH-Phase. Ich weiß nicht mehr, was er wollte, er wahrscheinlich auch nicht, aber irgendetwas wollte er. Und das alles übertönend versuchte meine 5jährige mit mir zu diskutieren, wo der Mittelpunkt der Welt lag. Sie war aber höchst unzufrieden mit meinen Antworten und versuchte mir das Problem noch einmal deutlicher vor Augen zu führen. In dem Moment blitzte es, vom Straßenrand aus in rot. Ich war erschrocken und ärgerlich. Ich hatte wohl irgendein Schild übersehen. Kein Wunder bei dem Lärm um mich. Besonders ärgerlich war, dass ich bereits am Tag vorher geblitzt worden war. Ich war wütend und schämte mich und das alles entlud sich an den Kindern. Warum denn auch niemand mal einmal seinen Mund halten könnte, schimpfte ich los und wurde immer ärgerlicher. Die Kinder wurden erst ganz leise, dann brüllte es aus drei Mündern gleichzeitig. Klar, sie konnten nichts dafür, dass ich das Straßenschild übersehen hatte. Ich schämte mich noch mehr, hielt an und versuchte, die Situation zu klären. Ich entschuldigte mich und bat sie, doch bitte leiser zu sein, damit ich mich aufs Fahren konzentrieren konnte. In diese emotional aufgeladene Situation hinein sagte meine Große ganz nüchtern: „Mama, ist schon gut, ich verzeih dir, der Gott hat dir ja auch schon vergeben.“

Ich war sprachlos. Offensichtlich war da etwas bei ihr angekommen, was uns sehr wichtig ist: Aus der Vergebung leben. Das ist für mich, neben dem Wissen um Gottes Liebe, die Grundlage für unser Miteinander.

Wenn wir aus der Vergebung leben, können Beziehungen immer wieder neu aufgenommen werden. Leider kommen wir nicht durchs Leben, ohne Spuren zu hinterlassen, eben auch unbeabsichtigte, an unseren Nächsten und Liebsten. Verletzungen können zwar analysiert, auseinandergenommen und verstanden werden. Dadurch werden sie häufig leichter, aber sie bleiben da. Gott kommt von außerhalb unseres Systems in unser System hinein und nimmt Schuld weg. Meine, aber auch die von meinem Nächsten. Wir dürfen einander Vergebung zusprechen, weil uns bereits vergeben worden ist. Und ich darf meinem Nächsten vergeben, weil ihm bereits vergeben worden ist. Schuld wird nicht marginalisiert, sie ist vorhanden, aber sie kann vergeben werden. Manchmal braucht es seine Zeit. Aber es ist eine Möglichkeit, ein Ausweg. Manchmal vergebe ich, ohne dass der andere überhaupt weiß, dass es etwas gab, was vergeben worden ist. Manchmal spreche ich die Schuld an, weil es da Muster gibt, die ich so nicht weiter mitmachen möchte, weil ich mir Veränderung wünsche. Aber grundsätzlich macht Vergebung einen Neuanfang möglich. Gerade im Familienalltag brauche ich viele kleine Neuanfänge jeden Tag: für mich, für meine Kinder und für meinen Mann. Vergebung ist die großartigste Erfindung Gottes. Ihm liegt nicht nur der Einzelne, sondern auch unser Miteinander so richtig am Herzen. Ich bin so froh, dass wir diese Möglichkeit haben.

Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Epheser 4, 23)

Zuallererst geliebt

Das ist mir, seid unsere Große auf der Welt ist, zum wichtigsten Grundsatz geworden. Ganz egal was auch geschieht, ich bin zuallererst geliebt – von Gott.

Nicht mein Mann oder meine Kinder, nein, ich bin geliebt. Auch nicht von meinem Mann oder von meinen Kindern, sondern zuallererst von Gott. Das ist der Grundstein meines Selbstverständnisses und ich möchte gerne, dass es soweit zur Grundkonstante meiner Identität wird, dass es aus meinem Verhalten in jeder kleinsten Konfliktsituation heraus spricht. Denn wenn ich geliebt bin, bist du es auch. Dann sind es auch meine Kinder und mein Mann. Meine eigene Liebe reicht nämlich oft nur erschreckend kurz. Ihre Länge hängt manchmal von der Kürze der Nacht ab. Und unsere Nächte waren sehr lange SEHR kurz.

Mit meiner Großen hatte ich etwa ein Jahr, in dem sie in guten Nächten nur acht Mal geweint hat. Sie hat mich in schlechten Nächten bis zu 17 oder 18 Mal nachts geweckt. In der Zeit zwischen 22:00 Uhr und 7:00 Uhr morgens bleibt da nicht viel übrig für Tiefschlafphasen. Und auch sonst blieb in dieser Zeit nicht viel übrig von der Person, die ich mal war. Vorher habe ich geschafft, was ich wollte, wenn ich nur genug geschlafen hatte. Und mit der Geburt unserer Tochter wurde das alles mit einem Schlag radikal weggefegt. Und es wurde nicht besser. Nach den ersten drei Monaten nicht und nach einem Jahr auch nicht. Und als ich jenseits aller Grenzen war, fing ich an zu lernen: Nach jedem Tag kommt eine neue Nacht. Und nach jeder Nacht kommt ein neuer Tag. Und dann wieder eine Nacht. Und aus Abend und Morgen wird ein neuer Tag. Und es macht nichts, ob ich hundemüde bin oder nicht: die Zeit vergeht. Und es macht nichts, ob ich viel schaffe oder wenig: ich bin geliebt. Und auch wenn ich nichts schaffe: ich bin geliebt. Und auch wenn meine einzige Leistung darin besteht, den Tag zu überleben, oder die Nacht: ich bin geliebt. Und wenn ich ungeduldig bin und schimpf und sogar schrei: ich bin geliebt. Da ist einer, der ist größer als meine Müdigkeit und Ungeduld. Und der sagt zu mir: du bist geliebt.

Ich bin kein Fan von vielen Sprüchen an der Wand. Aber daran wollte ich in jeder Situation erinnert werden: ich bin geliebt. Also habe ich ein Herz ausgeschnitten und an meinen Kühlschrank geklebt. Da hängt es und erinnert mich daran, wie sehr ich geliebt bin. Und wenn mir der Kragen zu platzen droht, dreh ich mich um und erinnere mich daran, dass ich geliebt bin, auch in meinem Ärger. Dieser kleine Moment reicht manchmal aus, dass dieser eine Satz seine Kraft entfalten kann und mein Verhalten sich in letzter Sekunde verändert. Ich bin nicht mehr Opfer einer schlaflosen Nacht, sondern bekomme eine imaginäre Krone aufgesetzt und bin Königin, selbst im größten Chaos.

Was das für einen Unterschied macht für meine Kinder? Noch weiß ich es nicht so genau. Aber es macht einen Unterschied, da bin ich mir sicher. Ob ich aus Hilflosigkeit oder einem tiefen Vertrauen in Gottes Liebe handele, das muss einen Unterschied machen.

„Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8, 38+39)

 

Was glaube ich eigentlich?

Wenn ich meine Kinder in den Glauben mit hineinnehmen möchte, drängt sich die Frage auf: Was glaube ich? In was nehme ich sie da hinein? Oder darf ich auch fragen: Was möchte ich glauben? Was möchte ich gern so glauben, dass ich die Kinder mit hinein nehmen kann? Was glaubst du?

Mir geht es nicht um das gelernte Wissen, das ich abspulen oder diskutieren kann. Es geht mir um das Wissen, das mein Handeln in ganz alltäglichen Situationen steuert. Wenn wir uns in Stresssituationen befinden, auch nur sehr kurzen, beispielsweise die Kinder schnell dazu bringen müssen, nicht mit dem Stift an die Wand zu malen, dann greifen wir nicht auf unser abstraktes Wissen zurück.

Wir haben ein Wissen in uns, das meist unbewusst unser Verhalten steuert. Es entsteht, indem unser Gehirn unzählige Male ähnliche Situationen analysiert und Handlungsmuster dafür bereitlegt. Und du ahnst es bereits: Dieses Analysieren und Bereitlegen von Handlungsmustern beginnt in der frühen Kindheit. Und das vertrackte ist: Es gibt keine direkte Verbindung zwischen dem handlungslenkenden Wissen und den gelernten Lehrsätzen. Das bedeutet, dass es ziemlich unerheblich ist, was ich an Glaubensgrundsätzen abspulen kann. Was mein Kind als erstes prägt, das ist mein Handeln. Mein unbewusstes lange angelegtes Handeln in den vielen kleinen Momenten des Alltags, in denen ein schnelles Handeln gefordert ist. Dieses Handeln wird von dem geprägt, was ich eigentlich glaube. So richtig tief in mir drin. Spannend, oder?

Kinder folgen nicht den Sätzen, die ich ihnen sage, sondern hauptsächlich meinem Vorbild. Sie sind in vielen Verhaltensweisen mein Spiegel, in dem ich mich leider manchmal ziemlich beschämt erkenne.

Was also glaube ich? Was glaube ich so tief in mir drin, dass es mein Handeln bestimmt?

Ich kann es herausfinden, indem ich mein Handeln und meine kleinen Spiegel beobachte.

Mutprobe

Heute wollte mein Sohn (3 Jahre) nicht in seine Turngruppe gehen. Er stand vor der Turnhalle, schaute mich mit seinen großen Augen unsicher an und nuschelte in seine verschmierte Schnute ganz leise: „Mama, ich trau mich nicht. Kannst du mitgehen?“ Das konnte ich leider nicht. Die Wand besteht quasi komplett aus Glas. Sichtkontakt ist permanent gegeben. Nur drinnen sitzen darf ich nicht. Er musste ja auch nicht alleine reingehen. Seine große Schwester (5 Jahre) turnt ja mit. Das reichte aber nicht. Er blieb dabei. Ganz leise zwar, aber sehr beharrlich: „Nein Mama, ich trau mich nicht.“

Jetzt hatte ich sie alle soweit, dass sie eine Probestunde geturnt hatten, nach langem hin und her, welcher Sport es denn sein sollte. (Für ihn eigentlich grad nichts.) Und jetzt war er vom Probetraining so begeistert. Und jetzt standen wir alle fix und fertig vor der großen Glastür. Und nun weigert er sich strikt, diese Halle zu betreten.

Ich setze mich erst mal. Ich hatte unser Baby (11 Monate) dabei. Langsam wurde sie mir zu schwer und ich setzte sie auf den Boden. Mir fiel nichts mehr ein. Auch das liebevolle Zureden der großen Schwester half nicht.

Ich fragte also ihn: „Und was meinst du, können wir jetzt machen? Soll deine Schwester alleine turnen und du wartest hier draußen?“ Oh, das passte der großen Schwester nicht. So ganz alleine wollte sie da auch nicht rein. „Sollen wir also einfach nach Hause fahren und uns wieder vom Turnen abmelden?“. Stille.

„Nein, Mama.“, sagte er. „Wir können ja für Mut beten.“ Ich war überrascht. Da standen wir also vor dieser Glastür. Die Gruppe in der Halle schaute schon nicht mehr nach uns, sie hatte das Warten bereits aufgegeben. Meine beiden Großen falteten ganz andächtig die Hände und ich betete: „Lieber Gott, schenk meinen Beiden Mut für ihre Turnstunde und schenk ihnen viel Freude und bewahre sie.“ Ich war gespannt, was jetzt passierte. Der unsichere Blick meines Sohnes wurde zu einem schiefen Lächeln. Er nahm seine Schwester bei der Hand und sagte: „Komm, wir gehen jetzt rein.“

Die Idee, dass man für Mut beten kann, haben sie von einer Hörspielreihe, bei der es um ein Mädchen namens Maike geht. Sie ist 4 Jahre alt und erlebt viele für Kindergartenkinder typische Situationen. Ich freue mich sehr, dass meine Kinder sich da etwas Gutes abgeschaut haben.